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landkarteAls Bild für Beratung habe ich die Landkarte gewählt. Es geht darum zu schauen, wo das Kind steht (Ist), wie es hierher gekommen ist und wohin es sich entwickeln sollte und möchte (Soll). Daraus ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten für den Weg.

Menschen kommen meist dann in Beratung, wenn siereaktion eine Situation oder Reaktionen des Kindes als problematisch empfinden.  Bei manchen Problemen handelt es sich um relativ weit verbreitete Themen, mit denen die meisten Eltern im Laufe Ihres Elternseins konfrontiert sind (z.B: Wutausbrüche in der Trotzphase). Wenn die Probleme sehr belastend sind und über einen längeren Zeitraum andauern, ist jedoch der Alltag „gestört“. Wenn dann die Kriterien des ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) erfüllt sind, spricht man von einer „Störung“. Die Diagnose an sich, sagt aber meist noch nichts über die Entstehungursachen aus. Nach dem „Bio-Psycho-Sozialen Entwicklungsmodell“ spielen die Bereiche Biologie, Psyche und Soziale Umwelt eine entscheidende Rolle:

bioAuf der biologischen Seite spielt die Vernetzung und die Struktur des Gehirns eine wichtige Rolle. Einfluss darauf haben sowohl die Gene, als auch Ereignisse während Schwangerschaft und Geburt. Unterschiede im Temperament oder in  Begabungen des Kindes haben hier ihren Ausgangspunkt. Trotzdem darf nicht übersehen werden, dass sich das Gehirn vor allem erfahrungsabhängig vernetzt. Dabei lernt das Gehirn besonders gut, wenn es weder unter- noch überfordert wird und das Gelernte der Befriedigung wichtiger Grundbedürfnisse dient. Als soziale Wesen sind wir Menschen dabei besonders angewiesen auf Zugehörigkeit, Anerkennung, Orientierung, Spaß und Autonomie. Im Alltag haben auch körperliche Faktoren wie Schlaf, Nahrung und körperliche Gesundheit/ Fitness einen großen Einfluss auf die Reaktionen des Kindes.

Unter sozialer Umwelt versteht  man vor allem die Beziehungen des Kindes in Familie, Kindergarten/ Schule und sozialNachbarschaft.  Kinder, deren Bezugspersonen den Erziehungsstil „Freiheit in Grenzen“ pflegen, entwickeln sich dabei laut Studien am besten. „Freiheit in Grenzen“ bedeutet, dass die Erwachsenen dem Kind gegenüber wertschätzend sind, aber auch altersgerechte Forderungen stellen und Grenzen setzen, sowie die Eigenständigkeit des Kindes fördern. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Tatsache dar, dass Kinder gleichen Alters oft sehr unterschiedlich entwickelt sind. Eine Forderung, die das eine Kind mit Leichtigkeit bewältigt (z.B. 30 Minuten ruhig sitzen bleiben), kann für ein anderes Kind gleichen Alters eine frustrierende Überforderung darstellen und seine Motivation zerstören. Woran sollen sich die Erwachsenen also orientieren? Im Idealfall lernen sie die Signale des Kindes zu verstehen und passen ihre Forderungen daran an. Die Fähigkeit die Perspektive des Kindes in Betracht zu ziehen, ist ein Kernmerkmal von Feinfühligkeit. Die Formel für eine sichere Bindung lautet dabei: „Sei in jedem Fall größer, stärker, weiser und gütig. Wann immer es möglich ist, folge meinen kindlichen Bedürfnissen. Und falls es notwendig ist, übernimm die Führung.“

In den ersten 3 Lebensjahren hat das Kind ein besonders großes Bedürfnis eine überlebensrettende Bindung zu seinen Bezugspersonen aufzubauen. Danach folgt das Bedürfnis nach Autonomie und Initiative. Im Schulalter möchte es sich als fleißig und kompetent erleben. Die Jugendzeit verlangt dem Menschen ab, eine eigenständige Identität zu entwickeln. Je nach Entwicklungsaufgabe braucht das Kind daher unterschiedliche Arten von Unterstützung durch die Erwachsenen.

psychoDas Kind ist aber nicht passives Produkt von Biologie und sozialer Umwelt. Durch sein eigenes Tun entwickelt es die „Werkzeuge“ Sprache, Motorik, soziale/ emotionale Kompetenz und Denken weiter. Diese Werkzeuge wiederum helfen dem Kind wichtige psychosoziale Bedürfnisse z.B. nach Anerkennung und Zugehörigkeit zu befriedigen. Wenn das Kind aber eine chronische Frustration eines oder mehrerer Bedürfnisse erlebt, passt es seine Erwartungen an. Es erwartet dann beispielsweise nicht mehr, dass sein Bemühen wahrgenommen wird. Es sieht die Welt durch eine ganz bestimmte „Brille„. Diese „Brillen“ nennt man auch Schemata (z.B. „Bald werde ich wieder verlassen.“, „Ich bin schwach und hilflos.“, Nur wenn ich hohe Leistungen erbringe, bin ich liebenswert“) und kommen oft in ganz verschiedenen Zuständen/ Modi des Kindes zum Ausdruck (z.B. „Die verletzte Susanne“, „Die unbeherrschte Susanne“). soll

Sehr wichtig ist in meiner Arbeit  die Frage: „In welche Richtung möchten Sie sich entwickeln?“ Dabei geht es natürlich darum, dass die problematischen Reaktionen des Kindes weniger werden. Welche Reaktionen aber soll das Kind stattdessen zeigen? Noch viel wichtiger als das „Löschen“ von Problemen ist der Aufbau von Kompetenzen, so dass das Kind selbstständiger wird und wichtige Grundbedürfnisse befriedigt werden können. Dadurch kommt ein „Engelskreis“ in Gang, der die gesamte Entwicklung fördert.

wegErst wenn ich und die Familie mehr Klarheit darüber haben, wodurch die problematische Reaktion des Kindes entstanden ist und wohin die Reise geht, macht es Sinn über den Weg zu sprechen. Der Weg kann beinhalten, dass mehr Zeit mit dem Kind verbracht wird, aber auch klare Regeln für das Zusammenleben eingeführt werden. Möglicherweise geht es aber auch darum, dem Kind beim Aufbau von Freundschaften zu unterstützen, Lernstrategien zu vermitteln, sich als Eltern von Schuldgefühlen zu befreien oder auf geregelte Schlafenszeiten zu achten.